Ausgabe 121

 #metoo           

Was heißt denn das, werden sich viele vor allem ältere PatientInnen fragen? Mit diesen englischen Worten die bedeuten „ICH AUCH  wird derzeit in den sogenannten sozialen Medien auf sexuelle Belästigung aufmerksam gemacht. Ausgegangen ist all das von den USA, aber wie aktuelle Ereignisse in Österreich zeigen, hat dieses Thema auch bei uns Bedeutung und Aktualität.  

Aber was bitte hat das alles mit einer Hausarztpraxis in der Brigittenau zu tun? Mehr als man vermutet, denn je nach Umfrage haben bis zu 75 Prozent der Frauen und immerhin 15 Prozent der Männer schon Erfahrungen mit entwürdigenden und beschämenden Bemerkungen und unerwünschten körperlichen Annäherungen gemacht. Gleichzeit ist auf Grund der Häufigkeit des Tatbestandes zu vermuten, dass wir in unserer Ordinationen natürlich auch Täter betreuen.  

Je nach Persönlichkeitsstruktur können nun solche Erlebnisse bei den Betroffenen unterschiedliche Auswirkungen, haben, nicht zuletzt auch zu schweren körperlichen Symptomen führen. Es geht darum, dass uns so viel Vertrauen entgegen gebracht wird, dass man sich über solch furchtbare Erlebnisse zu sprechen traut. Wir wiederum sind uns der besonderen Verantwortung bewusst, die mit dem Aussprechen solcher "Geheimnisse! verbunden sind, Alle Erfahrungen der Traumatherapie zeigen, dass es vor allem darum geht als Opfer Ernst genommen zu werden und Unterstützung zu finden. Nichts ist schlimmer, als Opfer von Gewalt zu werden und niemanden zu haben, der einem glaubt.  

Im ärztlichen Beruf besteht die besondere Situation einen Menschen zu berühren, also ihm körperlich sehr nahe zu kommen. Man sagt auch ÄrztInnen haben die „license to touch“ als das Recht auf Berührung. Es ist nun besonders wichtig sich dieser Tatsache bewusst zu sein und mit ihr verantwortungsvoll umzugehen. Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang interessanterweise auch, dass Menschen heute zu selten berührt werden. Aber es kommt eben auf einer respektvolle Weise an, die Grenzen erkennt und nicht überschreitet. Dieses Gefühl zu entwickeln ist allerdings für jeden Menschen eminent wichtig und ist in meinen Augen der beste Schutz vor Übergriffen jeder ART.  

Es sind wie man sieht viele Aspekte, die zum Thema Gesundheit gehören. Körperliche Gesundheit ist ohne seelisches und soziales Wohlbefinden nicht zu erreichen. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir auch in diesem speziellen Bereich unseren PatientInnen Rat und vor allem Hilfe anbieten können im Hinblick auf eine umfassende Betreuung.

    

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