Ausgabe 155

Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus 

Kaum etwas hat die Menschen in der Brigittenau in den letzten Jahren so bewegt, wie die überfallsartige Schließung unseres Unfallspitals. Das LBK, wie es genannt wird, ist Teil des Selbstverständnisses von uns „Brigittenauern“ und wird es geschlossen, fehlt auch eine Form von Schutz und Sicherheit.  

Als gelernter Österreicher werde ich immer wieder gefragt, und ich als Arzt sollte es ja wissen, „Was ist nun WIRKLICH der Grund der Schließung?“ denn dieses feuerpolizeiliche Gutachten ist ein so offensichtlich vorgeschobener Grund, dass es einfach nur peinlich ist!  

Um die tatsächlichen dahinter liegenden Konflikte zu verstehen, muss man weit in die Geschichte zurückgehen.  

1887 wurde in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie das erste Sozialgesetz beschlossen, die Arbeiterunfallversicherung wurde installiert. Bei der damaligen schweren und gefährlichen körperlichen Arbeit sollten Arbeiter*innen finanziell abgesichert werden. Finanziert wurde diese Versicherung im Konsens aller durch Arbeitgeberbeiträge. Doch genau hier liegt die Wurzel des Problems um die heutige AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt), denn seit nunmehr Jahrzehnten geht es um die Frage wie hoch diese Summe sein soll, die die Arbeitgeber in die AUVA einzuzahlen haben und wer bestimmt letztlich was mit dem Geld passieren soll.  

Während die Arbeiterunfallversicherung anfänglich nur eine Absicherung der Verunfallten war, hat sich schon bald gezeigt dass es sinnvoll ist, auch die Unfallgefahren zu analysieren und zu vermeiden! Damit ist die Prävention als neue Aufgabe hinzugekommen und letztlich wurde 1925 dann in der Brigittenau auch das erste Arbeiterunfallkrankenhaus eröffnet. Ursprünglich in der Webergasse gelegen, wurde in diesem Krankenhaus von Dr. Lorenz Böhler einem gebürtigen Südtiroler, der als Chirurg im I. Weltkrieg verwundete Soldaten versorgt hat, der Grundstein der modernen Unfallchirurgie gelegt, Die von ihm ausgebildeten Ärzt*innen haben dieses Wissen und seinen Ruf in die Welt hinaus getragen, so auch der langjährige Leiter des LBK Univ. Prof. Dr. Johannes Poigenfürst, der am 11. März verstorben ist.  

Unfallvermeidung und, wenn ein solcher dann doch geschieht, die bestmögliche Versorgung der Verletzten und deren finanzielle Absicherung sind somit die Grundaufgaben der AUVA.  

Soweit so logisch, doch nun kommt das liebe GELD ins Spiel! All das kostet natürlich und wird mit einem Anteil von 1.1 % der Lohnsumme von den Arbeitgebern bezahlt. Für die AUVA reduzieren sich durch die Schließung eines Spitals wie dem LBK ihre Kosten ganz wesentlich! Nachdem bisher alle Versuche das LBK zu schließen gescheitert waren, hat man nun den Holzhammer ausgepackt und ein feuerpolizeiliches Gutachten erstellen lassen. Dessen Inhalt erlaubt es nun alle medizinischen, sozialen, menschlichen Argumente zwar weiterhin vorzubringen, aber durch die vermeintliche Bedrohung von Leib und Leben ist das alles bedeutungslos geworden. Unser LBK wird zugesperrt und wie es weitergeht ……?

    

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